Zunächst sollten Sie wissen, dass es sich bei Schimmel oder besser gesagt beim Schimmelpilz um ein intelligentes Lebewesen handelt, welches die Eigenschaft besitzt sich sehr gut an die (unsere) Lebensraumbedingungen anzupassen. Ebenfalls kann sich der Schimmelpilzbefall zum Teil auch auf Klimaveränderungen von -5 bis +80C einstellen oder sich so lange zurückentwickeln, erstarren oder ruhen bis die lebensnotwendigen Randbedingungen wieder vorgefunden werden. Schimmel kann somit durch seine Sporen über längere Zeiträume ohne Probleme überleben und wieder aktiviert werden.

Schimmel und Schimmelpilz sind zwei volkstümliche Begriffe für Pilze aus verschiedenen taxonomischen Gruppen, die auf dem Wachstumssubstrat ein sichtbares watteartiges Mycel = Schimmel ausbilden, welches oft auffällig gefärbt ist. Als heterotrophe Organismen können Schimmelpilze nicht wie andere Pflanzen das Licht zur Erzeugung von Energie nutzen, sondern ernähren sich von organischem Material. Nährboden für Schimmelpilzkulturen liefern organische Stoffe, die fast überall vorkommen, in der Erde, im Holz, in Staubkörnern, sogar in Kunststoffen. Das bedeutet, dass der Schimmelpilz auch im absolut dunklen und verborgenen Bereichen wie z.B. hinter Vorwandmontagen sehr gut gedeihen kann.

Pilze kommen in der Umwelt weltweit vor. Von den Pilzen wurden bereits ca.180.000 Arten beschrieben, vermutlich existieren 1,5 Millionen Pilzarten auf der Erde. Andere Schätzungen gehen von 3 bis 80 Millionen aus. Jährlich werden ca. 1000 Arten neu beschrieben. Rein nach der Wuchsform unterscheidet man zwischen den einzelligen Spross- bzw. Hefepilzen und den fadenartig wachsenden Faden- oder Hyphenpilzen. Die Bezeichnung Schimmel bzw. Schimmelpilze ist eine Sammelbezeichnung für Hyphenpilze, die auf die eine oder andere Art einen Schaden verursachen. Genauso wie z.B. als Unkraut eine Reihe von Pflanzen aus den unterschiedlichsten phylogenetischen Gruppen bezeichnet wird, ist auch Schimmel keine verwandtschaftliche Bezeichnung.

Die Vermehrung der Schimmelpilze erfolgt durch Sporulation, d.h. der Pilz gibt eine Unmenge von Sporen an die Luft ab. Gemeinsam mit anderen biologischen Partikeln wie Milben, Hautschuppen, Pollen und Bakterien sind Pilzsporen einer der Hauptbestandteile des so genannten Aeroplanktons. Dies ist die Gesamtheit all jener Partikel biologischen Ursprungs, die sich in der Luft befinden. Einige Schimmelpilzarten gedeihen bestens bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von <70 % und einer Temperatur von ca. 20C im Innenraumbereich. Die erforderliche Luftfeuchte und die Temperatur welche für die Schimmelpilz- bildung vieler Schimmelpilzarten erforderlich ist, entsprechen den Werten, welche wir als angenehmes Raumklima empfinden oder bezeichnen.

Da Schimmelpilzbildung in Innenrumen eine immer größere Bedeutung im Bewusstsein der Bevölkerung und somit der Mieter und deren Mieterverbände hinsichtlich der Gesundheitsgefährdend gewinnt, ist deren Existenz meist mit Unannehmlichkeiten für den Bauträger oder den Vermieter, wie Kürzung der Miete, Auszug, Schadenersatzansprüche usw. verbunden. Die Verantwortung des Vermieters, einen gesunden bewohnbaren Raum zur Verfügung zu stellen, ist das Recht des Mieters. Daher wird eine Schimmelpilzbelastung in einem vermieteten Wohnraum auch zunehmend eine rechtliche Belastung für den Vermieter.

Da die Ursache der Schimmelpilzbildung jedoch auch durch das Wohnverhalten des Mieters (Heiz- und Lüftungsverhalten) stark beeinflussbar ist, obliegt jedoch trotzdem dem Vermieter im Regelfall die Beweislast der Herkunft und Ursache des Schimmelpilzes, sowie der Nachweis dass seine Immobilie nicht Ursache der Schimmelpilz-Kontaminierung ist.

Mit besten Gren,

Ralf Laarmann